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Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Polizei bei Großschadenslagen

TactixEMS Team4. Februar 20266 min

Bei Großschadenslagen arbeiten Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei Hand in Hand. Diese BOS-Zusammenarbeit (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) ist der Schlüssel zur erfolgreichen Bewältigung komplexer Einsatzlagen.

Doch wie funktioniert sie in der Praxis?

Die Führungsstrukturen verstehen

Jede Organisation bringt ihre eigene Führungsstruktur mit. Als Einsatzleiter im Sanitätsdienst sollten Sie wissen, wer auf der anderen Seite die Verantwortung trägt.

Feuerwehr

Funktion Kennzeichnung Aufgabe
Einsatzleiter Feuerwehr Meist weiße Weste/Helm Gesamtverantwortung Feuerwehr
Abschnittsleiter Je nach FW Führt Abschnitt (z.B. Brandbekämpfung)
Gruppenführer Je nach FW Führt Löschgruppe/Staffel

Polizei

Funktion Kennzeichnung Aufgabe
Polizeiführer Weiße Mütze/Weste Gesamtverantwortung Polizei
Einsatzabschnittsleiter Je nach LaPo Führt Teilbereich
Streifenbeamte Normale Uniform Operative Aufgaben

Rettungsdienst

Funktion Kennzeichnung Aufgabe
OrgL/ELRD Blaue/Gelbe Weste Gesamtverantwortung Rettungsdienst
LNA Meist weiße Weste Medizinische Einsatzleitung
Abschnittsleiter Je nach Org Führt Abschnitt (z.B. Patientenablage)

Die gemeinsame Einsatzleitung

Bei Großschadenslagen wird eine Technische Einsatzleitung (TEL) oder Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) gebildet. Hier kommen alle Führungskräfte zusammen.

Wer sitzt am Tisch?

In der TEL/ÖEL kommen alle Führungskräfte zusammen:

Organisation Funktion Rolle
Feuerwehr Einsatzleiter Feuerwehr Meist Gesamteinsatzleitung
Polizei Polizeiführer Ordnung, Verkehr, Ermittlung
Rettungsdienst OrgL/ELRD Organisatorische Leitung
Rettungsdienst LNA Medizinische Leitung
Weitere THW, Ordnungsamt, Versorger Je nach Lage

Ihre Rolle als ELRD/OrgL

In der TEL vertreten Sie den Rettungsdienst:

Aufgabe Konkret
Informieren Lagebild Rettungsdienst (Patientenzahlen, Ressourcen)
Fordern Nachforderung von Kräften/Material
Koordinieren Abstimmung mit anderen BOS
Beraten Medizinische Aspekte in Entscheidungen einbringen

Tipp: Bereite für TEL-Besprechungen immer aktuelle Zahlen vor: Patientenzahlen (nach SK), eingesetzte Kräfte, Abtransportquote, Engpässe.

Schnittstellen im Einsatz

Die Zusammenarbeit findet an konkreten Schnittstellen statt. Hier entstehen oft Probleme — und Lösungen.

Schnittstelle Feuerwehr ↔ Rettungsdienst

Typische Situationen:

  • Patientenübergabe aus Gefahrenbereich
  • Gemeinsame Rettung aus Fahrzeugen
  • Dekontamination vor Behandlung (CBRN)

Best Practices:

  • Klare Übergabepunkte definieren ("Patienten werden an der Absperrung übergeben")
  • Kommunikation über Funkkanal oder persönlich
  • Eigenschutz beachten — nicht in den Gefahrenbereich!

Schnittstelle Polizei ↔ Rettungsdienst

Typische Situationen:

  • Zufahrtswege für RTW freimachen
  • Absperrung des Einsatzbereichs
  • Angehörigenbetreuung/Auskunft
  • Tatortarbeit vs. Patientenversorgung

Best Practices:

  • Frühzeitig Zufahrtswege abstimmen
  • Polizei über Patientenzahlen informieren (für Angehörigenarbeit)
  • Bei Straftaten: Dokumentation sichern, aber Versorgung hat Priorität

Gemeinsame Herausforderungen

Problem Lösung
Funkverkehr überlastet Eigene Kanäle nutzen, Melder einsetzen
Unklare Zuständigkeit Frühzeitig in TEL klären
Unterschiedliche Lageerkennung Regelmäßiger Lageabgleich
Ressourcenkonkurrenz TEL-Entscheidung, nicht vor Ort streiten

Kommunikation: Der Schlüssel zum Erfolg

Die meisten Probleme bei der BOS-Zusammenarbeit sind Kommunikationsprobleme.

Funkverkehr

Grundsätze:

  • Kurz, präzise, eindeutig
  • Funkdisziplin einhalten
  • Kanaltrennung nach Organisationen
  • Führungskanal nur für Führungskräfte

Beispiel guter Funkmeldung:

"ELRD an Einsatzleitung Feuerwehr: Aktueller Stand Patientenablage: 12 Patienten, davon 3 SK1, 5 SK2, 4 SK3. Benötige zwei weitere RTW für Abtransport SK1. Kommen."

Persönliche Kommunikation

Nicht alles gehört über Funk. Für komplexe Abstimmungen:

  • Kurzes Gespräch vor Ort
  • TEL-Besprechung
  • Melder/Verbindungspersonen einsetzen

Lagemeldungen

Regelmäßige Lagemeldungen halten alle auf dem gleichen Stand:

Aspekt Inhalt
Was gehört rein Patientenzahlen (nach SK), eingesetzte Kräfte, Material, Engpässe, Prognose
Wann melden Bei Lagewechsel, mind. alle 15-30 Min, auf Anforderung

Typische Einsatzszenarien

Szenario Feuerwehr Rettungsdienst Polizei Schnittstelle
Verkehrsunfall (mehrere PKW) Technische Rettung, Brandschutz Patientenversorgung, Abtransport Absperrung, Unfallaufnahme Übergabe aus Fahrzeug → Behandlung
Brandeinsatz mit Verletzten Brandbekämpfung, Menschenrettung Versorgung, Dekontamination, Abtransport Absperrung, Evakuierung, Ermittlung Übergabe an Gefahrenbereichsgrenze
Großveranstaltung (MANV) Technische Unterstützung, Zufahrten Patientenablage, Versorgung, Abtransport Absperrung, Crowd Management Patientenzuführung, Koordination

Digitale Unterstützung der Zusammenarbeit

Moderne Tools können die BOS-Zusammenarbeit verbessern:

Funktion Nutzen
Gemeinsame Lagedarstellung Digitale Karten für alle BOS
Automatisierte Statusmeldungen Echtzeit-Updates ohne Funkverkehr
Schnittstelle für Lagemeldungen Standardisierte Übermittlung
Dokumentation Nachbereitung und Auswertung

Wichtig: Technik ersetzt keine Kommunikation. Der persönliche Austausch in der TEL bleibt unverzichtbar.

Fazit: Gemeinsam stärker

Erfolgreiche BOS-Zusammenarbeit basiert auf fünf Säulen:

Säule Bedeutung
1. Kenntnis Verstehe die Strukturen und Aufgaben der anderen
2. Kommunikation Sprich mit, nicht über die anderen
3. Koordination Nutze die TEL für gemeinsame Entscheidungen
4. Respekt Jede Organisation hat ihre Kompetenz
5. Übung Gemeinsame Übungen schaffen Vertrauen

Erfolgsrezept: Die beste Zusammenarbeit entsteht, wenn man sich schon vor dem Einsatz kennt. Nutze Übungen und Fortbildungen zum Netzwerken — im Einsatz zahlt sich das aus.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Die konkreten Strukturen und Abläufe variieren je nach Bundesland und Region.

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