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Sichtungskategorien im Rettungsdienst: SK1 bis SK4 erklärt

Hannes Kugas3. Februar 20264 min

Bei einem Massenanfall von Verletzten (MANV) zählt jede Sekunde. Die Ressourcen sind begrenzt, die Anzahl der Patienten ist groß. In dieser Situation helfen Sichtungskategorien dabei, Patienten nachvollziehbar zu priorisieren.

In diesem Artikel erklären wir:

  • Was die einzelnen Sichtungskategorien bedeuten
  • Wie die Triage in der Praxis abläuft
  • Welche Herausforderungen Einsatzleiter dabei haben
  • Wie digitale Tools die Übersicht verbessern

Was sind Sichtungskategorien?

Sichtungskategorien – auch Triage-Kategorien genannt – sind ein standardisiertes System zur Priorisierung von Patienten nach der Schwere ihrer Verletzungen. Sie wurden entwickelt, um bei Großschadenslagen mit begrenzten Ressourcen die bestmögliche Versorgung für die größtmögliche Anzahl an Menschen zu gewährleisten.

Das Prinzip: Nicht der, der am lautesten schreit, wird zuerst behandelt – sondern der, der es am dringendsten braucht.

Die Sichtungskategorien im Überblick

Kategorie Farbe Bedeutung Einordnung
SK I Rot Akut vital bedroht Höchste Priorität
SK II Gelb Schwer verletzt oder erkrankt Dringend
SK III Grün Leicht verletzt oder erkrankt Aufschiebbar
SK IV Blau Unter den aktuellen Bedingungen ohne realistische Überlebenschance Gesondertes Vorgehen nach Konzept
EX Schwarz Verstorben Gesonderte Kennzeichnung

SK I – Rot: Akut lebensbedrohlich

Merkmale:

  • Lebensbedrohliche Verletzungen oder Erkrankungen
  • Sofortige ärztliche Behandlung erforderlich
  • Überlebenschance bei schneller Versorgung

Typische Beispiele:

  • Schwere Blutungen
  • Bewusstlosigkeit mit instabilen Vitalzeichen
  • Spannungspneumothorax
  • Schwere Verbrennungen der Atemwege

Behandlungspriorität: Höchste Priorität

SK II – Gelb: Schwer verletzt/erkrankt

Merkmale:

  • Schwere, aber nicht unmittelbar lebensbedrohliche Verletzungen
  • Kann kurzzeitig auf Behandlung warten
  • Verschlechterung möglich, daher engmaschige Überwachung

Typische Beispiele:

  • Frakturen großer Röhrenknochen
  • Mittelschwere Verbrennungen
  • Bauchtrauma ohne Schockzeichen
  • Offene Wunden mit kontrollierter Blutung

Behandlungspriorität: Dringend

SK III – Grün: Leicht verletzt/erkrankt

Merkmale:

  • Leichte Verletzungen ohne Lebensgefahr
  • Kann längere Zeit auf Behandlung warten
  • Oft gehfähig und ansprechbar

Typische Beispiele:

  • Prellungen und Schürfwunden
  • Leichte Verbrennungen
  • Einfache Frakturen (z.B. Finger)
  • Psychische Belastung ohne körperliche Verletzung

Behandlungspriorität: Aufschiebbar

SK IV – Blau: Ohne realistische Überlebenschance

Merkmale:

  • Verletzungen, die mit den verfügbaren Mitteln nicht überlebbar sind
  • Ethisch schwierigste Kategorie

Wichtig: Die blaue Kategorie ist an Sichtungslagen mit knappen Ressourcen gebunden. Verstorbene werden in vielen Konzepten gesondert als EX / Schwarz gekennzeichnet.

EX / Schwarz: Verstorben

Diese Kennzeichnung wird in vielen Übersichten getrennt von SK I bis SK IV geführt. Sie dient der eindeutigen Unterscheidung zu blau gekennzeichneten Patienten.

Der Triage-Algorithmus in der Praxis

In der präklinischen Vorsichtung kommen häufig einfache Algorithmen wie mSTaRT zum Einsatz. Diese dienen der schnellen Ersteinschätzung; weiterführende Kategorien und ärztliche Bewertungen folgen nach lokalem Konzept.

Schritt Prüfung Ergebnis Kategorie
1 Gehfähigkeit Patient kann gehen SK3 (Grün)
2a Atmung Keine Atmung nach Freimachen Weiteres Vorgehen nach lokalem Sichtungsschema
2b Atemfrequenz > 30/min SK1 (Rot)
3 Rekapillarisierung > 2 Sekunden SK1 (Rot)
4 Bewusstsein Befolgt keine Befehle SK1 (Rot)
5 Alle Checks negativ - SK2 (Gelb)

Praxiswert: Der Algorithmus ist bewusst knapp gehalten, damit die Erstsichtung auch unter Zeitdruck durchgeführt werden kann.

Herausforderungen bei der Patientensichtung

Bei einem MANV stehen Einsatzleiter vor mehreren kritischen Herausforderungen:

Herausforderung Problem Folgen
Dokumentation unter Druck Papier-Anhängekarten werden nass, unleserlich Übertragungsfehler, Informationsverlust
Übersicht behalten Wo ist Patient 17? Wie viele SK1 haben wir? Fehlende Ressourcen-Planung
Dynamische Situation Patienten verschlechtern sich (SK3 → SK1) Änderungen müssen erfasst werden
Kommunikation Einsatzleitung, Ablage, Behandlung, Transport Synchronisation erforderlich

Digitale Patientensichtung: Wobei sie hilft

Digitale Einsatzführungssoftware kann viele dieser Herausforderungen abfedern:

Vorteil Nutzen
Sofortige Übersicht Alle Patienten und Kategorien auf einen Blick
Automatische Zählung Anzahl pro Sichtungskategorie in Echtzeit
Echtzeit-Updates Alle Beteiligten sehen denselben Stand
Keine Lesbarkeit-Probleme Digitale statt handschriftliche Erfassung
Mobile Dokumentation Per Tablet oder Smartphone am Patienten

Eine passende Einsatzführungssoftware bietet dabei vor allem diese Funktionen:

  • Patienten mit einem Tap anlegen und kategorisieren
  • Die Übersicht in Echtzeit sehen
  • Patienten Fahrzeugen und Zielkliniken zuweisen
  • Nach Einsatzende einen vollständigen Report generieren

Fazit

Die Sichtungskategorien sind ein zentrales Werkzeug für die Priorisierung bei Großschadenslagen. Entscheidend ist weniger die perfekte Begrifflichkeit als ein einheitlich trainiertes, regional abgestimmtes Vorgehen.

Digitale Einsatzführungssysteme unterstützen Einsatzleiter dabei, den Überblick zu behalten und die Dokumentation zu vereinfachen – damit im Ernstfall die Patienten im Fokus stehen, nicht die Bürokratie.

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