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Einsatzleiter-Checkliste: Die ersten 10 Minuten am Schadensort

Hannes Kugas21. April 20265 min

Die ersten Minuten nach dem Eintreffen am Schadensort sind die kritischsten. Als Einsatzleiter müssen Sie in kürzester Zeit einen Überblick gewinnen, Entscheidungen treffen und Strukturen aufbauen — oft unter Zeitdruck, mit unvollständigen Informationen und steigendem Erwartungsdruck von allen Seiten.

Diese Checkliste gibt Ihnen eine klare Struktur für die ersten 10 Minuten.

Minute 0–2: Ersterkundung

Bevor Sie irgendetwas tun: Stehen bleiben, schauen, denken.

  • Schadensbild erfassen: Was sehen Sie? Brand, Verkehrsunfall, Massenanfall? Wie groß ist die Lage?
  • Gefahren erkennen: GAMS-Regel anwenden (Gefahr erkennen, Absperren, Menschenrettung, Spezialkräfte). Gibt es Gefahrstoffe, instabile Strukturen, fließenden Verkehr?
  • Patientenzahl schätzen: Grobe Einschätzung — 1–5, 5–15, mehr als 15? Das bestimmt die MANV-Stufe.
  • Rückmeldung an Leitstelle: Erste Lagemeldung mit METHANE-Schema oder Freitext. Lieber kurz und unvollständig als gar nicht.

Typischer Fehler: Sofort in die Patientenversorgung einsteigen statt erst die Lage zu erfassen. Als Einsatzleiter sind Sie Kopf, nicht Hand.

Minute 2–4: Führungsstruktur aufbauen

  • Einsatzabschnitte definieren: Bei größeren Lagen mindestens Patientenablage, Behandlungsplatz und Bereitstellungsraum.
  • Abschnittsleiter benennen: Die ersten eintreffenden Führungskräfte bekommen klare Aufgaben.
  • Kommunikationskanal festlegen: Welcher Funkkanal für die Einsatzstellenkommunikation? Bei MANV ggf. eigenen Kanal anfordern.
  • Sammelplatz für Einsatzkräfte: Wo melden sich nachrückende Kräfte an?

Minute 4–6: Erste Lagemeldung

Jetzt haben Sie genug gesehen für eine strukturierte Rückmeldung:

  • Einsatzstichwort bestätigen oder korrigieren
  • Nachforderungen: Brauchen Sie mehr RTW? Notärzte? Feuerwehr? Polizei? MANV-Alarm auslösen?
  • Zufahrtswege: Welche Straßen sind frei? Wo wird abgesperrt?
  • Patientenanzahl und Schweregrade (soweit bekannt)

METHANE-Schema für die Lagemeldung

BuchstabeBedeutungBeispiel
MMajor incident / Meldebild„MANV Stufe 1, VU mit Bus"
EExact location / Einsatzort„B303, km 12,5 Richtung Kulmbach"
TType of incident„Frontalzusammenstoß Bus gegen PKW"
HHazards / Gefahren„Auslaufende Betriebsstoffe, kein Gefahrgut"
AAccess / Zufahrt„Zufahrt über B303 aus Richtung Süd"
NNumber of patients„ca. 12 Patienten, davon 3 eingeklemmt"
EEmergency services„Vor Ort: 2 RTW, 1 NEF. Nachgefordert: 4 RTW, KTW, OrgL"

Minute 6–8: Patientenversorgung koordinieren

  • Sichtung starten (bei mehreren Patienten): Wer sichtet? mSTaRT oder STaRT-Algorithmus?
  • Patientenablage einrichten: Wo werden Patienten gesammelt und nach Kategorie sortiert?
  • Transportpriorität festlegen: Rot-Patienten zuerst, aber nur wenn Krankenhaus aufnahmebereit.
  • Kliniken vorinformieren: Leitstelle bitten, Kapazitäten abzufragen.

Minute 8–10: Dokumentation starten

Das wird oft vergessen, ist aber entscheidend:

  • Einsatztagebuch führen: Wann kam wer? Welche Entscheidungen wurden getroffen? Warum?
  • Patientenübersicht anlegen: Wie viele Patienten in welcher Kategorie? Wohin transportiert?
  • Kräfteübersicht: Welche Fahrzeuge sind vor Ort? Welche unterwegs? Welche frei?

Praxis-Tipp: Papier und Klemmbrett sind gut. Ein digitales Einsatzführungstool wie TactixEMS ist besser — automatische Zeitstempel, Echtzeit-Übersicht, und nichts geht verloren.

Die häufigsten Fehler in den ersten 10 Minuten

  1. Keine Lagemeldung absetzen — Die Leitstelle kann nur helfen, wenn sie weiß was los ist.
  2. Selbst Patienten versorgen — Sie sind Einsatzleiter, nicht Behandler. Delegieren.
  3. Zu viel auf einmal wollen — Prioritäten setzen. Nicht alles gleichzeitig.
  4. Keine Dokumentation — Spätestens bei der Einsatznachbereitung fehlen alle Details.
  5. Kommunikation vergessen — Abschnittsleiter brauchen regelmäßige Updates, nicht nur den Erstkontakt.

Fazit

Die ersten 10 Minuten sind kein Hexenwerk — aber sie brauchen Struktur. Diese Checkliste gibt Ihnen einen roten Faden, den Sie bei jedem Einsatz abspulen können. Je öfter Sie ihn üben, desto automatischer wird er.

Und wenn Sie die Dokumentation und Patientenübersicht digital führen wollen: TactixEMS wurde genau dafür gebaut — von einem Einsatzleiter für Einsatzleiter.


Dieser Artikel richtet sich an Einsatzleiter im Rettungsdienst (OrgL, ELRD) und Führungskräfte bei Feuerwehren. Die Inhalte basieren auf gängiger Einsatztaktik und den Empfehlungen der DGUV sowie der AGBF.

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